Freiheiten

Jeder Mensch benötigt seine Freiheiten. Nur so kann man das eigene Ich genießen. Doch bei einer instabilen Persönlichkeitsstörung ist es gar nicht so einfach, dem Partner seinen Freiraum zu geben und auch zu gönnen. Wenn sich der geliebte Mensch im Alleingang befindet, steckt unser Kopf voller Angst und Zweifel. Doch Freiheiten zu geben bedeutet eben zu lieben – und deshalb müssen wir wohl einen Weg gehen, der uns selbst auch leiden lassen kann.

Wenn wir in unserer Beziehung jemanden gefunden haben, der uns vollständig akzeptiert und liebt, neigen wir dazu, zu sehr daran festzuhalten. Wir klammern uns an die wohltuende Liebe, an die schöne gemeinsame Zeit und an das Gefühl, dass wir nicht mehr allein sein müssen. Doch wir müssen allein sein können – und hier besteht Gefahr. Wenn unser Gegenüber uns mitteilt, dass er an einem bestimmten Tag etwas ohne uns geplant hat oder sich auch mit anderen Leuten trifft, entstehen die ersten Probleme beim Loslassen. Schon beim Zuhören dieser Information merken wir, dass wir im Inneren unruhig werden.

Wir wissen bereits vorher, wie wir uns an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit fühlen werden. Unsere Gedanken fangen an, sich im Kreis zu drehen. Wie sollen wir die freie Zeit allein verbringen? Wie können wir uns ablenken? Wird etwas Schlimmes passieren, wenn mein Partner das Haus verlässt? Hat er mit anderen Menschen mehr Spaß? Sieht er dann ein, dass er mich in seinem Leben gar nicht mehr benötigt? Lernt er eventuell andere Personen kennen, die interessanter für ihn sein könnten? All das beschäftigt uns. Meist schon von dem Tag an, an dem uns unser Partner seinen Weggang mitgeteilt hat – bis hin zu dem Punkt, an dem die Türe von außen zufällt.

So können unzählige Tage voller Leid vergehen. Wenn uns der Moment erreicht, an dem wir allein gelassen werden, kann schlagartig Traurigkeit, Angst, Panik oder auch Unruhe entstehen. Wir wissen einfach nicht, wohin mit uns – und wenn wir dann tatsächlich auf uns gestellt sind, wird es nur noch schlimmer.

Wir versuchen, uns die Zeit bis zum Wiederkommen zu vertreiben. Doch das Karussell der Gedanken dreht sich weiter. Wir machen Sport, wir lesen, wir gehen in die Natur – und trotzdem sind die Gefühle immer wieder da. Wir lassen uns von ihnen bestimmen – bis sie sich scheinbar in Luft auflösen, sobald unser liebster Mitmensch wieder in unserer Nähe ist. Nun beruhigt sich alles in uns – bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Szenario von Vorn beginnt! Diese Abhängigkeit schadet uns – das wissen wir. Trotzdem ist es unglaublich schwer, einen anderen Weg einzuschlagen. Einen Weg, der uns gut tut. Der uns nicht leiden lässt. Der uns zeigt, dass Freiheiten wichtig sind – nicht nur für unseren Partner, sondern auch für uns selbst. Ja, wir müssen lernen, etwas mit unserer Freiheit anfangen zu können. Sie genießen zu können.

Wenn auch Du diese Gefühle im Alltag wahrnehmen musst, kannst du gern einmal unter unsere Selbsthilfe schauen – vielleicht gibt es einen Punkt, der dein Inneres schneller ausbalancieren kann!

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