Familie

Jeder, der eine instabile Persönlichkeitsstörung hat, muss nicht zwingend eine schlechte Kindheit oder ein miserables Verhältnis zu den eigenen Eltern haben. Doch oftmals ist es leider doch so, dass vielerlei Symptome auf die Erziehung zurück zu führen sind. Wir werden in ein bestimmtes Umfeld hineingeboren und bekommen eine bestimmte Art und Weise vorgelebt. Das prägt uns von Anfang an und zieht sich über die kompletten Kinderjahre.

Das erlernte Verhalten

Wenn die Verhaltensweisen der Erziehungsberechtigen nicht dem Bilderbuch der perfekten Familie entsprechen, können wir als Kind schnell ein gestörtes Seelenleben aufbauen. Hierbei spielt der finanzielle Stand oder das Ansehen von Vater und Mutter nicht immer eine Rolle. Materielle Verhältnisse ersetzen nichts. Auch in einer gut bürgerlichen Familie können Kinder den falschen Weg einschlagen. Im Wesentlichen geht es nämlich um die emotionalen Grundwerte, die wir vermittelt bekommen. Wenn beispielsweise Geborgenheit, Zuneigung, liebevolle Worte oder ein gewaltfreier Umgang nicht zur Selbstverständlichkeit gehören, können wir in unseren frühen Jahren viele unbemerkte Rückschläge erleben, die bis ins Erwachsenenalter hineinreichen.

Auswirkungen der Kindheit

Fehlende Zuwendung und Liebe kann bewirken, dass wir uns in der Zukunft auf Distanz halten und schlecht mit Nähe umgehen können. Vielleicht sehnen wir uns aber auch zu sehr nach Aufmerksamkeit und Beachtung, sodass wir nahezu alles dafür tun würden – ganz gleich, was es uns an emotionalen oder physischen Schmerz kostet. Wir klammern uns an Partnerschaften oder freundschaftlichen Beziehungen und entwickeln starke Verlustängste. Wir machen uns abhängig. Zu viel Kritik an der eigenen Person kann uns Minderwertigkeitskomplexe einflößen. Wir stellen uns ins negative Bild, sind introvertiert oder entwickeln sogar so etwas wie einen intensiven Selbsthass und den Wunsch einer Selbstzerstörung. Wir machen uns kaputt, setzen uns unter Druck und verzweifeln an dem Gedanken, immer zwanghaft besser sein zu wollen wie jeder andere um uns herum. Gewalt kann dafür sorgen, dass wir später einmal selbst viel Wut und Aggression verspüren – nicht nur uns selbst gegenüber, sondern auch bei anderen.

Die emotionale Vernachlässigung der eigenen Familie hat ebenso große Auswirkungen wie ein körperlicher Missbrauch. Auch hier kann eine gefährliche Unterwürfigkeit, Selbstverletzung, Ablehnung der eigenen Person oder Angst vor physischer Zärtlichkeit entstehen. Wenn der Fall eintritt, dass sich einzelne Familienmitglieder auch untereinander keinen Respekt, keine Achtung und kein normales Verhalten aneignen, fangen wir an, der Welt zu misstrauen. Jedem. Auch uns.

Die innere Prägung

Wir sind geprägt. Von früher. Alles, was wir sehen und erleben mussten, formt unser Ich. Unsere späteren Fehler wollen wir nicht mit unserer Vergangenheit entschuldigen – und doch ist sie der Grund für so viele Verhaltensauffälligkeiten. Wir tun uns selbst oder anderen Menschen weh, ohne es zu wollen. Wir distanzieren uns, obwohl wir uns einen unauflösbaren Zusammenhalt wünschen. Gerne wollen wir in unserem Umfeld von unseren tollen Kindheitserinnerungen erzählen, aber wir können es nicht. Es stellt sich die Frage, ob wir besser handeln werden als unsere Eltern und haben Angst, es nicht zu schaffen. Wir können ihnen nicht verzeihen und doch nicht loslassen. Wenn wir nicht vergessen können, was wir vergessen wollen, sorgen wir eben mit gefährlichen Mitteln dafür.

Unsere zwischenmenschlichen Beziehungen werden von all dem bestimmt. Wir wollen so vieles verdrängen und werden doch wieder eingeholt. Wenn wir den liebevollen Familien unserer Freunde oder unseres Partners gegenüberstehen, hat es uns schon lange überholt. Die Frage, warum es bei uns nie so sein konnte, zerstört unser Inneres. Wir halten die Harmonie und die Sicherheit nicht aus. Obwohl wir sie annehmen und genießen könnten, schaffen wir es nicht. Unser größter Wunsch wird uns vor Augen gehalten, aber wir wollen ihn nicht erfüllen. Wir sind gezeichnet.

Im Kindesalter haben wir unser Leben und die Vorkommnisse nicht verstanden. Jetzt tun wir es aber. Rückwirkend. Die Vergangenheit bestimmt die Gegenwart und hat Einfluss auf die Zukunft. Wir haben nur dieses eine Leben, welches uns diese Vorbestimmung schenkte. Damit zu leben, vor allem emotional, ist fortan unsere größte Hürde.

Wenn auch Du diese Gefühle im Alltag wahrnehmen musst, kannst du gern einmal unter unsere Selbsthilfe schauen – vielleicht gibt es einen Punkt, der dein Inneres schneller ausbalancieren kann!

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