Das eigene Abbild

Das eigene Abbild in korrekter Weise einzuschätzen, fällt uns mit einer psychischen Störung nicht leicht. Wir sehen Dinge in und an uns, die andere so gar nicht wahrnehmen! Die Ursachen hierfür können in der Familie sowie in der Erziehung liegen, oder aber auch an Mobbing und Kritik der Anderen.

In erster Linie dreht es sich hierbei sicherlich um das eigene Aussehen. Wir schauen in den Spiegel und sind sofort unzufrieden. Nicht nur mit dem Gewicht, sondern auch mit der Nase, dem Mund oder den Haaren. Daraufhin versuchen wir abzunehmen und die eigenen Kilos zu reduzieren. Sportliche Aktivitäten mit hoher Disziplin oder eine gesunde Ernährungsweise führen uns zum Ideal- oder manchmal leider auch Untergewicht.

Der Körper wird straffer und formt sich zu einem schönen Abbild. Nebenbei gehen wir zum Friseur, lassen uns die Haare modisch schneiden und bekommen eine trendige Farbe. Das eigene Badezimmer wird mit Kosmetika überrannt. Make-up, Mascara und Lippenstift für die Frauen, Pinzette, Rasierer und After-Shave für die Männer – und trotzdem stellt sich keine Besserung ein. Wir finden uns immer noch zu dick, zu unförmig, zu hässlich!


Auch die Komplimente und der Zuspruch von anderen Mitmenschen kann diese Ansicht nicht verdrängen. Es genügt einfach nicht. Wir werden von unserem Partner oder unserer Partnerin geliebt, für hübsch und sexy befunden – doch auch das genügt wieder einmal nicht.

Neben dem hohen Anspruch an unseren Äußerlichkeiten gibt es natürlich noch unseren Charakter. Mit einer psychischen Störung ist natürlich auch dieser nicht einwandfrei – zumindest in unserer gefangenen Gedankenwelt. Was ist, wenn andere unsere krankhaften Symptome bemerken? Wieso kann ich nicht so gelassen und kommunikativ wie die anderen sein? Letztendlich stimmt auch hier so rein gar nichts. Wir fangen beinahe an, uns selbst zu hassen.

Das kann natürlich gefährliche Auswirkungen haben. Der Selbsthass auf das eigene Gewicht treibt uns in die Magersucht, der Selbsthass auf das eigene Aussehen treibt uns zum Schönheitschirurgen oder lässt uns teure Kosmetika kaufen, der Selbsthass auf die eigene Persönlichkeit lässt uns zurückziehen und von anderen abwenden – alles mehr als ungesund. Das wissen wir – und trotzdem holen uns diese Gedanken immer wieder ein. Manchmal sogar so sehr, dass wir versuchen, diese Ansichten mit einer Selbstzerstörung zu unterbinden. Nahrungsverweigerung, Erbrechen, Alkohol, Drogen oder gar die intensive Selbstverletzung lassen uns die negative Gedankenwelt verdrängen – und schon entstehen neue Probleme!

Es ist gar nicht so einfach, aus diesem Sog der Gedanken zu entkommen. Eine Selbstzufriedenheit zu erschaffen, kann Jahre dauern! Psychotherapeuten, aber auch das eigene Ich müssen sich darum bemühen, ein positives Abbild in den Kopf zu bekommen.

Ein paar Kilos zu viel zu haben, ist in Ordnung.

Nicht sportlich zu sein, macht mich nicht weniger schön.

Kein Make-up zu tragen, definiert mich nicht als unschöne Frau.

Keine Muskeln zu haben, macht mich nicht weniger männlich.

Krankhafte Störungen und Macken zu haben, wurde leider in meiner Vergangenheit bestimmt.

Wenn wir diese Sätze aussprechen, fühlen wir uns sofort unwohl. Es passt einfach nicht zusammen: Ich und schön? Niemals. Weder von innen noch von außen. So zu denken, macht uns selbst traurig. Wir würden uns gerne anders sehen, aber wir können es nicht. Wir möchten stolz auf uns sein, wir möchten uns nicht mit anderen vergleichen, wir möchten uns hübsch finden, wir möchten essen können, was uns schmeckt – wenn sich diese Wünsche auf unsere Gedanken übertragen könnten, wären wir ein zufriedener und wohl auch glücklicher Mensch.

Wenn auch Du eines dieser Gefühle oder gar mehrere im Alltag wahrnehmen musst, kannst du gern einmal unter unsere Selbsthilfe schauen – vielleicht gibt es einen Punkt, der dein Inneres schneller ausbalancieren kann!

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