Untreue

Wenn wir uns mit einer instabilen Persönlichkeitsstörung in einer Beziehung befinden, wollen wir sie oftmals um jeden Preis vermeiden: Untreue. Die Angst, den Partner oder die Partnerin verlieren zu können, ist meist stark ausgeprägt. Der große Wunsch, ehrliche Liebe und Treue zu erleben, wird gepaart mit ständigem Misstrauen und den schlimmsten Befürchtungen. Doch was wir von unserem Gegenüber erwarten, fällt uns manchmal selbst schwer – und hier kann es schnell paradox werden. So schmerzhaft die Untreue in unserer Vorstellung auch erscheint – sie kann uns selbst und unserer instabilen Psyche das geben, wonach wir uns sehnen: Aufmerksamkeit, Komplimente, Begehren und Leidenschaft.

Das ehrliche Eingeständnis der Untreue

 

Wir wünschen uns Treue und Loyalität von unserem Partner oder unserer Partnerin – und können der Untreue dennoch etwas für uns selbst abgewinnen. Der Beginn einer Affäre ist aufregend. Sie gibt uns und insbesondere unserem gestörten Innenleben ein scheinbar gutes Gefühl. Sie gibt uns das, was wir vielleicht nie hatten. Sie gibt uns das, wovon wir vielleicht nie genug bekommen. Sie fordert das ein, was wir einfordern wollen. Aufmerksamkeit und Komplimente von anderen Personen tun der instabilen Persönlichkeitsstörung gut – und das Verlangen, das Begehren und die leidenschaftlichen Gefühle, die außerhalb der Beziehung entwickelt werden, geben der Psyche ihre scheinbare Heilung. So wird die Untreue zu einem ehrlichen Eingeständnis unseres komplizierten Seelenlebens.

Untreue – nicht mit einer psychischen Erkrankung zu entschuldigen, aber zu erklären?

 

 

Wenn wir in der Untreue das suchen, was uns und der instabilen Psyche fehlt, werden wir es vielleicht finden. Doch das Verletzen, das Belügen und das Betrügen schenken unserer Seele auch schnell Schuldgefühle, Reue und Bedauern. Wovor wir in der Beziehung am meisten Angst haben, tun wir selbst – und wir wissen ganz genau, dass es mit unserer instabilen Persönlichkeitsstörung nicht zu entschuldigen ist.

Wir können das Fremdgehen nicht damit rechtfertigen, dass wir nie die Emotionen bekamen, die uns die Affären nun schenken. Das Fehlen von Anerkennung, Bestätigung, Begehren und schönen Worten hält als Initialzündung zum Betrügen her. Ob diese Erklärung aber als Bitte um Verzeihung akzeptiert wird, ist wohl individuell zu bestimmen. Der liebende Mensch, der sich auf der anderen Seite befindet, muss eigenständig entscheiden, ob unsere Erlebnisse zum Verständnis aufrufen. Schonungslos ehrlich ist für uns vor allem eins: Wenn er es tut, können wir die Untreue schnell zum Freifahrtschein machen. Wenn er es nicht tut, kann die Untreue vielleicht zur Lektion des Lebens werden, weil wir stetig alles verlieren.

 

Untreue in Treue umwandeln – an der richtigen Stelle suchen und finden

 

Wir bilden uns vielleicht sogar ein, dass die falsche Moral, die wir ausleben, gerecht und passend für uns ist. Erwarten wir von einem Menschen mit einer instabilen Persönlichkeitsstörung etwas anderes als solch ein Verhalten? Das schlechte Abbild von uns selbst kann uns in die Irre führen.

Die Gefühle, die uns beim Fremdgehen scheinbar gut tun, können wir an anderer Stelle suchen und finden. An der richtigen Stelle: Bei unserem Partner oder unserer Partnerin. Wir können mit unserem Gegenüber die Gefühle besprechen, die uns fehlen, die wir vermissen oder die wir brauchen. Doch auch wir sollten die Augen öffnen. Komplimente erkennen. Begehren zulassen. Leidenschaft entwickeln.

Wenn auch Du eines dieser Gefühle oder gar gleich mehrere im Alltag wahrnehmen musst, kannst du gern einmal unter unsere Selbsthilfe schauen: Vielleicht gibt es einen Punkt, der dein Inneres schneller ausbalancieren kann!

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